Exkursion der Abschlussklassen (9. Berufsreife und 10. Mittlere Reife) der Rudolf-Wihr-Realschule plus Limburgerhof in das Konzentrationslager Osthofen 


Menschen verlieren ihre Freiheit, ihre Sicherheit und ihre Würde. Politische Gegner, Gewerkschafter, Journalisten, jüdische Bürger und andere vom nationalsozialistischen Regime verfolgte Menschen werden ohne rechtsstaatliche Grundlage verhaftet, eingesperrt, misshandelt und eingeschüchtert.

Nachfühlen kann und will man nicht, was die Häftlinge in den frühen Konzentrationslagern des Nationalsozialismus erleiden mussten. Eine Vorstellung davon, wie schnell Demokratie zerstört werden kann und wie ein System aus Angst, Gewalt und Ausgrenzung entsteht, muss Schulunterricht aber vermitteln, wenn junge Menschen für die Gefahren solcher Ideologien sensibilisiert werden sollen. Ein guter Unterricht im Klassenraum kann dazu viel beitragen. Doch warum besucht man mit Jugendlichen einen solchen historischen Ort?

Die Eindrücke, Fragen und Reaktionen der Schülerinnen und Schüler selbst geben darauf eine Antwort. Die Erkenntnis, dass es Orte wie diesen tatsächlich gab, wird hier greifbar. Sie betreten die Räume des ehemaligen Konzentrationslagers Osthofen, in denen zwischen 1933 und 1934 zahlreiche Männer festgehalten wurden. Sie sehen die Halle, die als Unterkunft gedient hat, den ehemaligen Appellplatz, die Mauern und Fenster, hinter denen Menschen ihrer Freiheit beraubt wurden. Sie erfahren, dass Demütigung, Gewalt und ständige Angst zum Alltag der Gefangenen gehörten.

Das Konzentrationslager Osthofen wurde kurz nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten im März 1933 in einer ehemaligen Papierfabrik eingerichtet. Es gehörte zu den ersten Konzentrationslagern im Deutschen Reich. Vor allem politische Gegner der NSDAP aus Hessen und Rheinland-Pfalz wurden dort inhaftiert. Insgesamt waren etwa 3.000 Menschen in Osthofen eingesperrt. Das Lager bestand bis Juli 1934 und wurde danach geschlossen. Die Abschlussklassen der Rudolf-Wihr-Realschule plus machten sich am 24. und 26. März 2026 auf den Weg nach Osthofen bei Worms. Sie begegneten diesem Ort der Geschichte und des Gedenkens mit Respekt und Aufmerksamkeit. An verschiedenen Stationen innerhalb der Gedenkstätte hielten die Klassen inne, sammelten Eindrücke und beschäftigten sich mit den Schicksalen ehemaliger Häftlinge. 

Viele Fragen entstanden dabei: Warum wurden Menschen ohne Gerichtsverfahren eingesperrt? Warum schwiegen so viele Menschen im Ort Osthofen? Wie konnte aus einer Demokratie so schnell eine Diktatur werden?

Zu diesen und vielen weiteren Fragen fanden die Lernenden Antworten, wie sie nur an so einem authentischen Ort möglich sind. Sie erfuhren, dass Gewalt und Unterdrückung nicht erst im Krieg begannen, sondern schon kurz nach 1933 sichtbar wurden. Das Lager Osthofen zeigt, wie früh die Nationalsozialisten begannen, politische Gegner gezielt auszuschalten und Angst in der Bevölkerung zu verbreiten. In der Dauerausstellung nahmen sich viele Zeit, diese aufmerksam zu betrachten. Dort wurde deutlich, dass Osthofen kein Einzelfall war, sondern Teil des wachsenden Systems nationalsozialistischer Verfolgung. Besonders eindrucksvoll war für viele Schülerinnen und Schüler die Erkenntnis, dass solche Orte mitten in Deutschland entstanden – sichtbar für viele Menschen.

Der Besuch der Gedenkstätte Osthofen zeigt, was passieren kann, wenn Demokratie systematisch zerstört, Menschenrechte missachtet und Hass normalisiert werden. 

Daher müssen wi(h)r auch in Zukunft wachsam sein und dafür sorgen, dass Ausgrenzung, Hass und Menschenverachtung niemals wieder die Oberhand gewinnen.

Text: Dominik Steinel

Bilder: Dzenana Avdic